Wifi 8: Was kann der nächste WLAN-Standard?

Die Weiterentwicklung von WLAN geht mit Wifi 8 in die nächste Runde. Was wird der neue Standard für die Welt bedeuten?


Technischer Fortschritt ist nicht aufzuhalten, auch nicht bei WLAN. Konnte das erste Wifi von 1997 gerade mal 2 Megabit pro Sekunde (Mbps) über ein Frequenzband schicken, erreicht heute der gängige WLAN-Standard Wifi 6 (WLAN-ax) damals noch unvorstellbare Höchstgeschwindigkeiten auf zwei Bändern. Router-Flaggschiffe wie die FritzBox 7590 AX oder der Telekom Speedport Smart 4 schaffen so 1.000 Mbps und mehr. Seit 2024 ist mit Wifi 7 die nächste Evolutionsstufe verfügbar; der Standard soll theoretisch Datenraten von bis zu 46.000 Mbps ermöglichen. Kann der nächste WLAN-Standard Wifi 8 da überhaupt noch Verbesserungen bringen?


Klar ist: Wifi 8 baut auf den Errungenschaften von Wifi 7 auf. Mit Wifi 7 erhielt neben 2,4 und 5 Gigahertz erstmals auch das dritte, störungsärmere 6-Gigahertz-Frequenzband eine größere Verbreitung, das bis dahin lediglich im Zwischenstandard Wifi 6E zu finden war. Diese Frequenz allein sorgt für einen enormen Temposprung, darf in Deutschland aber bislang nicht in voller Breite genutzt werden. Dazu kommen aufwendigere Rechentricks für mehr Bandbreite (Modulation) und unzählige Detailoptimierungen – etwa die Möglichkeit von Geräten, WLAN-Verbindungen auf mehreren Frequenzbändern parallel aufrechtzuerhalten (Multi Link Operation, abgekürzt MLO).


In den letzten Jahren wollte man mit der Weiterentwicklung von WLAN höhere Bandbreiten bereitstellen – schnellere Internetverbindungen, eine Flut neuer WLAN-Geräte und anspruchsvolle Anwendungen wie Video-Streaming und Home-Office verlangten danach. Nun aber arbeiten Internetanbieter, Hersteller und Technologieinstitute daran, die Datenautobahn für neue Innovationen auszubauen und sie resilienter zu gestalten. Virtual Reality (VR) oder künstliche Intelligenz (KI) sind nicht nur auf hohe Datenraten, sondern auf geringe Verzögerungen und stabile Verbindungen angewiesen.


Grundsätzlich soll der nächste Standard also stabilere Verbindungen und höhere Zuverlässigkeit bieten. Daher verpasste man Wifi 8 auch den Beinamen Ultra High Reliability (UHR), auf Deutsch "ultrahohe Zuverlässigkeit". Der Fokus liegt auf konsistenter Leistung mit geringerer Latenz in Verbindung mit WLAN-fähigen Geräten – und das sogar in störungsanfälligen Umgebungen. Für Wifi 8 werden im Vergleich zu Wifi 7 bis zu 25 Prozent mehr Durchsatz, 25 Prozent weniger Latenz und 25 Prozent weniger Paketverluste versprochen.


Nahtloses WLAN-Roaming wird seinen Anteil an diesen Entwicklungen haben. Wifi 8 soll es verbundenen Smartphones, Laptops und Co. erlauben, zwischen mehreren Zugangspunkten ("Access Points") übergangslos und ohne Abbrüche zu wechseln – auch ohne herstellereigene Mesh-Standards. Öffentliche Orte wie Flughäfen, mehrstöckige Büros oder Sportstadien, in denen zahlreiche Menschen eine stark ausgebaute Netzwerkinfrastruktur gleichzeitig nutzen, können von dieser Neuerung profitieren. Dabei ist es das Ziel, mit Wifi 8 die Überlappung von Signalen zu reduzieren und Interferenzen zu vermeiden.


Die Verringerung von Interferenzen soll aber nicht auf WLAN beschränkt sein – auch die Koexistenz mit anderen Funktechnologien soll sich verbessern. Hierzu gehört eine optimierte Abstimmung zwischen WLAN, Bluetooth oder Ultrabreitband (UWB), um Antennenressourcen effizienter zu nutzen. Der Effekt: Störungen im Endgerät zwischen all diesen Funksignalen wird minimiert.


Dass sich Wifi 8 effizienter im Geflecht von unterschiedlichen Funksignalen bewegt, steht auch bei der Kanalverwendung des neuen Standards in der Planung. So soll es sich dynamischer Zugang zu Subkanälen verschaffen, Kanäle intelligenter verteilen und das gesamte Spektrum cleverer verwerten. Die neuen Funktionen DSO/NPCA (Dynamic Sub-Channel Operation/Non-Primary Channel Access) spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie haben die Aufgabe, die Netzwerkleistung zu optimieren, um Unterschiede in den Kanalbandbreiten zwischen Geräten zu kompensieren. DSO greift etwa ein, wenn der Zugangspunkt und das Endgerät unterschiedliche Kanalbandbreiten aufweisen, beispielsweise 320 Megahertz (MHz) für einen Router und 80 MHz für ein Smartphone. Daneben passt es die Kanalzuweisungen dynamisch an. NPCA hingegen soll zum Zuge kommen, wenn der primäre Kanal nicht verfügbar ist. Auf diese Weise kann die Kommunikation zwischen dem Zugangspunkt und dem Endgerät über einen nicht primären Kanal erfolgen.


er sich höhere Bandbreiten im WLAN erhofft, darf sich freuen. Wifi 8 wird erstmals Millimeterwellen im Frequenzbereich unterstützen – als Ergänzung zu den drei klassischen 2,4-, 5- und 6-Gigahertz-Frequenzbändern. Damit wären auf sehr kurze Distanz extrem hohe Bandbreiten mit bis zu 100.000 Mbps möglich. Einschränkungen auf 6 Gigahertz (GHz) in Ländern, in denen das Frequenzband kaum oder gar nicht freigegeben ist, lassen sich so kompensieren. Somit ergäbe sich die Möglichkeit, die bisher nicht lizenzierten 45-GHz- und 60-GHz-Bänder im Millimeterwellenspektrum zu erschließen und deren Potenziale auszuschöpfen.


Ist bei all diesen Neuerungen und Leistungsverbesserungen ein höherer Energiebedarf der Endgeräte nicht vorprogrammiert? Nein, denn auch daran wurde bei Wifi 8 gedacht. Der kommende Standard verbraucht allein schon deswegen weniger Energie, weil er Daten schneller und effizienter auf die Reise schickt – und das spart Ressourcen. Hinzu kommen smarte Features wie das dynamische Absenken von Datenströmen, Bandbreite oder Sendeleistung, ohne dass mit Einschränkungen zu rechnen ist.


Vor 2028 ist mit Wifi 8, das in den internationalen Normungsgremien unter der Bezeichnung IEEE 802.11bn geführt wird, nicht zu rechnen. Die finale Verabschiedung kann sich dann noch weiter hinauszögern. Doch wie bei Wifi 7 dürften erste Wifi-8-Geräte schon verkauft werden, bevor die neue Norm final ist. Übrigens: Selbst Wifi 7 ist aktuell noch nicht vollständig als technische Norm offiziell verabschiedet.


Denn streng genommen gilt: Wifi und WLAN sind nicht dasselbe. "Wifi" ist ein Begriff des Branchenverbands Wi-Fi Alliance, der sich an den jeweiligen technischen Normen des Ingenieurverbands IEEE orientiert:


  • Wifi 6 basiert auf IEEE 802.11ax ("WLAN ax")
  • Wifi 7 basiert auf IEEE 802.11be
  • Wifi 8 basiert auf IEEE 802.11bn


"Wifi" steht in Anlehnung an "HiFi" für "Wireless Fidelity". Der Begriff hat sich mittlerweile im Sprachgebrauch etabliert.


Quelle: Computerbild


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