Tropfen, Regen, Tauchgang: Wie gut schützt die IP-Zahl das Handy?


Mit dem Handy ins kühle Nass? IP-Zahlen geben die Schutzstufe an, nicht aber andere Bege­benheiten wie Wasserart oder Bewegung.


Ein Regen­schauer, ein umgekipptes Glas oder ein Sturz ins Wasser: Viele Smartphones sind gegen solche Miss­geschicke geschützt. Doch IP67, IP68 und IP69 bedeuten nicht, dass Sie bedenkenlos mit dem Handy duschen oder schwimmen können. Zwischen den Bezeich­nungen gibt es durchaus Unter­schiede.


Am Beckenrand noch schnell eine Nachricht beantworten, am Strand Fotos machen oder beim Duschen Musik hören: Das Smartphone ist häufig dort dabei, wo Wasser nicht weit entfernt ist. Eine hohe IP-Schutzart wirkt dann beruhigend. Allerdings beschreibt sie bestimmte Prüf­bedin­gungen und keinen unein­geschränkten Schutz für jeden Einsatz am Wasser. Entschei­dend sind außerdem die Vorgaben für das konkrete Modell und der Zustand des Geräts.


Besonders wichtig: Es gibt keinen allgemein belegten Zeitpunkt, ab dem der Wasser­schutz nach einem oder zwei Jahren deutlich abnimmt. Hersteller warnen vor Verschleiß, nennen in den geprüften Quellen aber keine solche Jahres­grenze. Nach einem Sturz oder einer Beschä­digung kann die Schutz­wirkung auch erheblich früher beein­träch­tigt sein.


Die Buchstaben IP stehen für „Ingress Protection", also den Schutz gegen das Eindringen von Fremd­körpern und Wasser. Die beiden folgenden Ziffern müssen getrennt gelesen werden: Die erste bezeichnet den Schutz gegen feste Fremdkörper, die zweite den Wasser­schutz. Bei IP68 steht die 6 für ein staub­dichtes Gehäuse unter den entspre­chenden Prüf­bedin­gungen; die 8 beschreibt den Schutz beim Unter­tauchen.


Ein X anstelle einer Ziffer bedeutet, dass für diesen Bereich keine Schutzstufe angegeben ist. IPX8 trifft deshalb keine Aussage über Staubschutz.


Für den Alltag sind vor allem diese Schutzarten interessant!


Für ein gewöhn­liches Smartphone mit IP67 oder IP68 lautet die vernünftige Empfehlung: Lassen Sie es außerhalb der Dusche. Eine Prüfung beim Unter­tauchen lässt sich nicht ohne Weiteres auf einen direkten Wasser­strahl übertragen. Apple nennt beispiels­weise Duschen ausdrück­lich als Beispiel für schnell bewegtes Wasser bezie­hungs­weise Wasserdruck, dem das iPhone nicht ausgesetzt werden soll.


Hinzu kommen Shampoo, Duschgel und Seife. Apple empfiehlt, den Kontakt mit solchen Stoffen möglichst zu vermeiden. Samsung warnt ebenfalls vor Seifen­wasser, hoher Luft­feuch­tigkeit sowie dem Einsatz in Sauna und Dampfbad.


Auch IP69 ist kein pauschaler Freibrief. Die Schutzart erfasst eine definierte Belastung durch heiße Wasser­strahlen unter hohem Druck. Sie sagt aber nichts darüber aus, ob der Hersteller regel­mäßiges Duschen mit Seife oder längeren Aufenthalt in einer feucht­warmen Umgebung erlaubt.


Ein Handy, das verse­hent­lich ins Becken fällt, hat mit geeignetem Wasser­schutz bessere Voraus­setzungen als ein unge­schütztes Gerät. Daraus folgt jedoch nicht, dass Sie es zum Schwimmen oder für Unter­wasser­fotos mitnehmen sollten. Die von Samsung beschrie­bene Prüfung erfolgt in Süßwasser und mit einem still­liegenden Gerät. Poolwasser und die Belastungen beim Schwimmen entsprechen diesen Bedingungen nicht.


Samsung rät ausdrück­lich dazu, Poolwasser zu vermeiden. Apple empfiehlt grund­sätz­lich, nicht mit dem iPhone schwimmen oder baden zu gehen.


Am Strand ist nicht nur die Wassertiefe entschei­dend. Eine übliche IP-Angabe ist keine auto­mati­sche Zusicherung für Salzwasser. Samsung nennt Salzwasser ausdrück­lich unter den Flüs­sigkeiten, mit denen die Geräte nicht in Kontakt kommen sollen.


Auch die Kombination IP68 und IP69 ändert daran allein nichts: Sie verbindet unter­schied­liche Wasser­prüfungen, belegt aber nicht automatisch eine Bestän­digkeit gegen Meerwasser.


Hier ist eine genaue Unter­schei­dung nötig: Dass Wasser­schutz mit der Zeit nachlassen kann, ist gut belegt. Dass er bei Smartphones generell nach einer bestimmten Zeit, wie zwölf oder 24 Monaten, deutlich schlechter wird, ist nicht belegt.


Apple schreibt, dass der Schutz nicht dauerhaft ist und durch normale Abnutzung geringer werden kann. Samsung formuliert ebenfalls, dass die Wasser­bestän­digkeit mit der Zeit bezie­hungs­weise durch Verschleiß geschwächt werden kann. Beide nennen keine feste Lebensdauer für die Abdichtung.


Google erläutert in seinem Beitrag zum Pixel 10 Pro Fold, dass die IP68-Vorgaben für den Zustand beim Verlassen des Werks gelten. Verschleiß, Reparaturen, Demontage und Beschä­digungen können den Wasser- und Staubschutz vermindern oder aufheben. Auch ein Sturz kann zum Verlust der Schutz­wirkung führen.


Eine IP-Schutzart bedeutet nicht automatisch, dass der Hersteller einen späteren Flüs­sigkeits­schaden kostenlos behebt. Solche Schäden sind bei Apple nicht durch die Garantie abgedeckt. Gesetzliche Verbrau­cher­rechte können dennoch bestehen. Auch Google stellt klar, dass es zwischen einge­schränkter Garantie sowie Verbrau­cher­rechten unter­scheidet.


Deshalb sollten Sie zwei Dinge ausein­ander­halten: Die IP-Angabe beschreibt eine technische Schutz­leis­tung unter bestimmten Bedingungen. Welche Ansprüche bei einem Schaden bestehen, hängt dagegen unter anderem von den Garan­tiebe­dingungen und den gesetz­lichen Rechten ab.


Quelle: teltarif



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